Abnehmen durch Sport oder Bewegung – Geht das und wie ist die Faktenlage?

Wenn wir Dicke zum Arzt gehen, dann hören wir Empfehlungen, wie „Sie sind zu dick und Sie sollten abnehmen“. Sie haben zu hohen Blutdruck und sind schon von den Werten Diabetes gefährdet. Bitte passen Sie auf sich auf und nehmen ab und machen mehr Bewegung.

Nehmen wir so ein Gespräch zum Anlaß um uns mit der Faktenlage vertraut zu machen.

Leider ist es so, dass ein Pfund Fett am Körper in Ruhezustand 2 kcal verbraucht. Die selbe Menge Muskeln im Ruhestand verbraucht zwar 2 bis 3 mal mehr als Fett, es sind aber trotzdem nur zwischen 5-6 kcal. Der Ratschlag, dass man/frau Muskelmasse aufbauen soll, um eine Fettverbrennungsmaschine zu erhalten, ist weit überzogen.

Nach Fettsuchtforscher Alexxai Kravitz gibt es drei Hauptkomponenten des menschlichen Energieverbrauches, nämlich

  • die Basisstoffwechselrate mit 60-80% des Gesamtenergieverbrauches. Die Basisstoffwechselrate ist der Energieverbrauch für den menschlichen Körper wenn er rastet.
  • Um die Nahrung aufzuspalten und zu verdauen benötigen wir ungefähr 10% der gesamten Energieverbrauchs.
  • Somit bleiben dann eigentlich nur 10-30% für körperliche Aktivität über, wobei Sport und Training einen Teil davon bildet.

Mit anderen Worten gesagt, nur weniger als 10 bis 30% unserer Energie wird durch Bewegung, Sport oder Training verbraucht und es ist daher nicht einfach einen Burger- oder einen Wurstsemmelanfall mit Sport zu kompensieren.

Das Beispiel eines 100kg schweren Menschen, der durch viermaliges Lauftraining pro Woche von je 60 Minuten über ein Monat Gewicht verlieren will, zeigt nach einem Modell von Fettsuchtforscher Kevin Hall, dass maximal 2,5kg Körpergewicht abgenommen wird.

Da Studien aber zeigen, dass Menschen Ihre Nahrungsaufnahme nach dem Training steigern und meisten mehr essen als sie verbraucht haben. Zusätzlich zeigen andere Studien, dass Menschen nach dem Training sich schonen und weniger Energie verbrauchen als ohne Training.

Eines ist schon klar. Sport und Bewegung ist für gute Gesundheit sehr wichtig und hilft Krebs zu verhindern, Blutdruck zu verbessern und vieles mehr.

Auch ich habe es mit Bewegung versucht. Zwei Jahre lang bin ich jeden Tag mindestens eine Stunde bis bis eineinhalb Stunden und mehr schwimmen gegangen. Ja, ich bin in der Zeit von 160kg auf ungefähr 140kg heruntergekommen. Dann, nach dem langersehnten Tauchurlaub, habe ich mein Gewicht wieder auf fast 170kg gesteigert, da keine langfristige Ernährungsumstellung mit dabei war.

Aus der Ordination meiner Partnerin kenne ich auch den Fall einer Frau, die durch tägliches Schwimmen von bis zu 7 Stunden (kaum nachvollziehbar!), in 1 bis 2 Jahre 50kg verloren hat. Die Lehre allein aus meiner Geschichte und dieser Frau zeigt:

Bewegung ist eines der besten Medikamente, das Ärzte verschreiben können, aber Bewegung ist keine Abnehmdroge.